Erfrischend

Das deutsche Fernsehen und ich führen keine gute Beziehung. Teilweise liegt es an mir, da ich Filme und Serien auf Englisch schaue und die deutschen Übersetzungen schrecklich finde. Teilweise liegt es aber auch am deutschen Fernsehprogramm. Castingshows mit Laiendarsteller und gekünstelten Streitereien vermiesen das Abendprogramm. Früher habe ich noch gerne Germany’s Next Topmodel oder Deutschland sucht den Superstar geschaut. In den ersten Staffeln konnte ich mich als Zuschauer noch mit den Personen identifizieren und das Talent der Kandidaten erkennen. Ich habe liebend gern mit meinen Favoriten mitgefiebert und mich gefreut, als sie zum Schluss als Gewinner da standen.

Natürlich kann diese Faszination an meinem damaligen Alter gelegen haben. Eine 14- oder 15-Jährige nimmt die Shows anders wahr als jemand, der hinter die glitzernde Fassade schaut und mehr Erfahrung mit Castingshows hat. Aber wer mag schon bestreiten, dass die Kandidaten austauschbar geworden sind? Ich kann mich nicht einmal an die Gewinner/in von Germany’s Next Topmodel, The Voice of Germany oder Das Supertalent erinnern, geschweige denn, dass ich mir die Sendungen überhaupt noch anschaue.

Fashion Hero mit Claudia Schiffer und nicht Heidi Klum

Nun ist mir Claudia Schiffer über den Weg gelaufen. Nicht wortwörtlich, ich habe sie auf einem Werbeplakat für ihre neue Sendung auf ProSieben, Fashion Hero, posieren sehen. Mein erster Gedanke war, dass es sich nur um eine weitere Modelsuche handelt. Dennoch blieb ich am Ball, denn im Gegensatz zu Heidi Klum wirkt Claudia Schiffer distanziert und professionell. Sie würde keine Freakshow abziehen wie ihre Kollegin. Deswegen schaltete ich den Fernseher nach langer Zeit einmal nicht für meine Xbox 360 ein, sondern entschied mich für Fashion Hero.

Claudia Schiffer feiert ihr Fernseh-Comeback. (Foto: © ProSieben/Richard Huebner)

Claudia Schiffer feiert ihr Fernseh-Comeback. (Foto: © ProSieben/Richard Huebner)

Fashion Hero ist kein Model-, sondern ein Designercasting. Insgesamt wollen 21 Designer ihre Mode verkaufen und Karstadt, s.oliver und Asos geben ihnen die Chance dazu. Der Hauptpreis der Nachwuchskünstler ist eine eigene Modekollektion, die in allen drei Geschäften veröffentlicht wird.

Die Show läuft nach einem einfachen Motto: Gestalte ein Outfit in zwei Tagen und überzeuge damit die Kaufhäuser. Wollen sie die Kleidung haben, geben sie ein Gebot ab. Je höher das ausfällt, desto mehr Kleidungsstücke bringen sie in ihre Läden – und das recht flott. Schon am nächsten Tag kann sich der Zuschauer die Sachen vor Ort beziehungsweise online kaufen. Zu dem Preis gibt es keine Angabe, das sieht der Zuschauer dann wohl erst beim Anprobieren.

Die Sendung ist nicht perfekt, aber unterhält

Nein, die Idee ist nicht neu. Es gibt die amerikanische Sendung Project Runway und selbst Fashion Hero läuft in den USA bereits. Doch die Art, wie die Show sich präsentiert, ist gelungen. Ähnlich wie The Voice of Germany nimmt sich die Sendung ernst. Die Präsentationen der Designer fallen sympathisch und menschlich aus. Zickenkommentare oder Machogehabe wie in den anderen Castingshows fallen hier weg. Die Künstler sind konzentriert bei der Sache und der Zuschauer nimmt ihnen ab, dass sie in der Sendung sind, um Outfits zu erstellen.

Der Nachwuchsdesigner Riccardo Serravalle ist jetzt schon einer meiner Favoriten.

Der Nachwuchsdesigner Riccardo Serravalle ist jetzt schon einer meiner Favoriten. (Foto: © ProSieben/Richard Huebner)

Die Show hat ihre Längen und Steven Gätjen nervt mit langatmigen Erzählungen und teils dümmlichen Kommentaren. Ich finde auch, dass Claudia Schiffer im Gegensatz zu den anderen Mentoren untergeht. Sie sagt meistens, wie toll alles ist, und übt wenig Kritik. Da gefallen mir ihre Partner, Stylist Sascha Lilic und Markenkommunikationstrainerin Uta Huesch, besser, die auch Missfallen äußern. Aber daran kann sich noch etwas in den nächsten Episoden ändern.

Mir gefällt diese Show. Ich bin keine Designerin und habe nicht einmal eine Ahnung, wie teilweise die Kleidungsstücke auf der Stange an mir aussehen. Ich finde es toll, wenn sich eine Person ein Outfit ausdenken kann, das vielen anderen Menschen steht. Wie dieser Prozess aussieht, zeigt ProSieben leider nur in sehr kurzen Ausschnitten, dafür stehen jetzt noch die Designer im Vordergrund. Dass gerade die so menschlich und freundlich rüberkommen, habe ich zuletzt nur bei The Voice of Germany gesehen. Mir macht es einfach Spaß, den Designern quasi über die Schulter zu schauen und ihre Endprodukte zu betrachten. Für mich ist das eine gelungene Abwechslung zum Rest der deutschen Fernsehlandschaft.

Mein Fazit: Ich werde zwar immer noch das deutsche Fernsehen so gut es geht meiden, aber Fashion Hero ist eine Show, die ich weiterschauen werde. Die Sendung nimmt die Designer und Mode ernst. Es ist eine Dauerwerbesendung, aber eine, die mit gutem Inhalt unterhält.

Source: ProSIeben

 

Leave a reply