Wie aus einem Streuner ein Retter wurde. © Facebook

Ich muss ehrlich sein. Das Buch „A Street Cat Named Bob“ ist mir in der Buchhandlung lediglich wegen des Covers aufgefallen. Dort schaut mir Bob drollig entgegen. Ich lächelte sofort und dachte mir nur: „Ohhhhhh, wie knuddelig!“ Für mich war klar, dass ich dieses Buch kaufen muss, komme, was wolle. Was ich aber nicht wusste, dass mich dieses Buch äußerst bewegt und meine Meinung zu Obdachlosen ändert.

Die bewegende Geschichte von James

Auch wenn auf dem Cover Bob süß schaut und das Buch seinen Namen trägt, erzählt James über sein eigenes Leben. Als er noch jung war, wohnte er in Australien mit seiner Mutter. Sie war dabei sehr geschäftstüchtig und zog ständig mit der Familie um. Das nagt bis heute an James, da er nie Anschluss fand.

James spielte damals auch die Gitarre - aber ohne Bob. © gannett-cdn.com

James spielte damals auch Gitarre – aber ohne Bob. © gannett-cdn.com

In der Schulzeit wurde er gemobbt und fühlte sich allein und verlassen. Schlussendlich hat er versucht, diese Einsamkeit mit Drogen zu kompensieren. Das anfängliche Kleberschnüffeln entwickelte sich dann zur Heroineinnahme.

James ergriff die Chance, seine Schwester in London zu besuchen. Allerdings hat er als Drogenabhängiger immer Streit gesucht und landete so auf der Straße. Ohne Reisepass und ohne Geld schlug er sich auf den Straßen Londons durch, um für den nächsten Heroinschuss bereit zu sein.

Bob, der Retter in der Not

Nach einigen Jahren versucht er, endlich clean zu werden. Er musiziert auf der Straße, um ein wenig Geld einzunehmen und seine Wohnung in einem Art Obdachlosenheim zu bezahlen.

Bob macht es sich auf den Schultern von James bequem. © The Sunday Times

Bob macht es sich immer auf den Schultern von James bequem. © The Sunday Times

Eines Nachts passiert es dann: Ein roter Kater sitzt im Treppenhaus. James sieht, dass der Streuner einige Kämpfe hinter sich hat und jetzt ein warmes Plätzchen sucht. Nach einigen Tagen entscheidet er sich, für den Kater, den er Bob tauft, zu sorgen.

James denkt dabei ständig, dass Bob irgendwann abhauen wird. Schließlich war er zuvor ein Streuner! Dennoch bindet sich Bob an James, geht mit ihm musizieren und bleibt an seiner Seite. James und Bob haben sich auf der Straße gefunden und aneinander Hoffnung gegeben – und das ist wahrlich kein Ort, wo man das erwarten kann.

..und die Tränen rollen

Natürlich bin ich ein wenig vorbelastet. Nemo hat in mir Ähnliches ausgelöst und mich in einer schwierigen Lebensphase begleitet. Deshalb kullerten bei mir sehr oft die Tränen, weil ich es schön finde, dass jemand anderes die Erfahrung ebenfalls gemacht hat, dass Katzen Menschen wieder Hoffnung schenken können. Und wem, wenn nicht ihm, gönne ich diesen Wandel und darüber hinaus einen Bestseller?

Bob auf dem Cover. Ist er nicht so niedlich? © Hodder & Stoughton

Bob auf dem Cover. © Hodder & Stoughton

Erwartet aber bitte kein Meisterwerk der Literatur. Das Buch ist sehr einfach geschrieben (in Englisch) und er wiederholt sich oft, womit er unnötig Seiten füllt. Auch fühlen sich manche Szenen künstlich dramatisiert an. Da hatte sicherlich die Agentin Einfluss drauf.

Ich möchte euch trotzdem das Buch ans Herz legen. Es eine Geschichte der Hoffnung und ihr geht mit anderen Augen durch die Welt. Die Obdachlosen hatten meistens keine andere Chance, als auf der Straße zu leben – sei es durch eine Drogengeschichte oder sonst was. Aber ich stelle mir jetzt eher nicht mehr die Frage „Wie bist du hier gelandet?“, sondern „Wie kann ich dir helfen?“ Manchmal helfen Obdachlosen eben nicht nur geldliche Gaben, sondern auch ein offenes Ohr für ihre Geschichten.

Fazit: Das Buch ist herzergreifend und macht Hoffnung, dass selbst in den schlimmsten Phasen des Lebens etwas Gutes passieren kann, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Das Buch ist in EnglischDeutsch und als Kinderbuch erschienen. Die Fortsetzung „The World According to Bob: The further adventures of one man and his street-wise cat“ bzw. „Bob und wie er die Welt sieht: Neue Abenteuer mit dem Streuner“ gibt es ebenfalls schon zu haben.

Source: anormaldisaster.de

 

Leave a reply